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Mozart im Palais Garnier: Willy Deckers La clemenza di Tito kehrt nach Paris zurück
Macht, Verrat und Vergebung: Wolfgang Amadeus Mozarts letzte Oper kehrt in einer Inszenierung von Willy Decker an das Pariser Palais Garnier zurück. Harry Bicket dirigiert das Orchester der Opéra national de Paris. Mit Pavol Breslik und Matthew Polenzani als Tito, Hanna-Elisabeth Müller als Vitellia und Emily D’Angelo als Sesto versammelt die Produktion ein international renommiertes Ensemble.
© Mariordo (Mario Roberto Duran Ortiz)Mainz/Paris - Ein Kaiser, der Opfer eines Mordkomplotts wird und dennoch auf Rache verzichtet: Mit La clemenza di Tito kehrt eine von Mozarts psychologisch vielschichtigsten Opern an das Palais Garnier zurück. Willy Deckers Inszenierung stellt die Menschlichkeit politischer Macht ins Zentrum. Vom 24. November bis zum 25. Dezember 2026 ist das Werk an der Opéra national de Paris zu sehen. Die musikalische Leitung übernimmt Harry Bicket.
Mozart komponierte die Oper 1791 innerhalb weniger Wochen für die Krönungsfeierlichkeiten Leopolds II. zum König von Böhmen. Die Uraufführung fand am 6. September in Prag statt. Das Libretto basiert auf einem Text Pietro Metastasios, den Caterino Mazzolà für Mozart bearbeitete. Mit La clemenza di Tito wandte sich der Komponist noch einmal der Opera seria zu, deren höfische Formensprache damals bereits als überholt galt. Mozart verlieh der Gattung jedoch eine psychologische Tiefe, die hinter den repräsentativen Gesten die widersprüchlichen Gefühle der Figuren freilegt.
Kaiser Tito muss seine Geliebte Berenice aus politischen Gründen verlassen. Vitellia, Tochter des entmachteten Kaisers Vitellius, hofft auf den Thron und drängt ihren Verehrer Sesto dazu, Tito zu ermorden. Sesto ist zugleich ein enger Freund des Herrschers. Zwischen Liebe, Loyalität und Manipulation gerät er in einen unauflösbaren Konflikt. Als die Verschwörung auffliegt, entscheidet sich Tito gegen die Hinrichtung der Schuldigen. Seine Milde wird zur politischen wie persönlichen Bewährungsprobe.
Willy Deckers Inszenierung feierte 1997 am Palais Garnier Premiere. Im Zentrum steht ein monumentaler Marmorblock, aus dem nach und nach das Gesicht des Kaisers hervortritt. Das Bühnenbild von John Macfarlane verbindet die öffentliche Monumentalisierung des Herrschers mit dessen privater Verletzlichkeit: Während das steinerne Abbild Gestalt annimmt, erscheint Tito zunehmend als einsamer, verwundbarer Mensch.
Auch musikalisch verlangt das Werk eine Besetzung, die virtuose Koloratur, lyrische Empfindsamkeit und dramatische Zuspitzung vereint. Pavol Breslik singt Tito vom 24. November bis zum 7. Dezember, Matthew Polenzani übernimmt die Partie vom 10. bis zum 25. Dezember. Hanna-Elisabeth Müller ist als Vitellia zu erleben, Emily D’Angelo als Sesto. Johanna Wallroth singt Servilia, Maria Warenberg den Annio und Alex Rosen den Publio. Es spielen das Orchester und der Chor der Pariser Oper.
Die Wiederaufnahme führt ein Werk zurück auf die Bühne, das den Glanz der höfischen Opera seria mit einer bis heute aktuellen Frage verbindet: Was bedeutet es, Macht auszuüben, ohne der Versuchung zur Vergeltung nachzugeben? In Deckers Inszenierung verdichtet sich diese Frage im Bild eines Kaisers, dessen steinernes Denkmal wächst, während seine Menschlichkeit auf dem Spiel steht.


